Der Mythos der kalten Brücken – Warum zieht‘s im unsanierten Haus?

Wer im Erdkunde-Unterricht aufgepasst hat, weiß, dass Wind immer dann entsteht, wenn unterschiedliche Temperaturen herrschen. Warme Luft steigt nach oben und saugt kältere Luftmassen an, deren Bewegung für uns der wehende Wind ist. Ähnlich empfinden wir in geschlossenen Räumen den kalten „Zug“, der scheinbar von draußen kommt.

Ist also der Temperaturunterschied zwischen Außenwand und Mitte des Raumes größer als drei Grad, strömt die warme Luft in Richtung der Wand. Diesen Strom spüren unsere Nackenhaare und melden uns: die Temperatur sinkt, es wird kalt. Wir haben dann das Gefühl, es komme kalt herein, dabei ist es eigentlich die Wärme, die entweicht.

Die "Kältebrücken" heißen im Fachjargon „Wärmebrücken“

Verstärkt wird dieser Effekt durch Gebäudeteile, die der Volksmund als „Kältebrücken“ bezeichnet. Im Fachjargon heißen diese Bauteile allerdings „Wärmebrücken“. Über sie gelangt warme Luft leichter nach draußen als an Wandteilen, an denen es keine Öffnungen wie Fenster oder angrenzende Bauteile wie Geschossdecken gibt. Wärme- und somit Energieverluste könnten durch eine Dämmung des Hauses vermindert werden.

Durch eine Dämmung der Außenwand steigt die Temperatur an ihrer Innenoberfläche, die Temperaturdifferenz sinkt unter drei Grad. Dadurch wird der Wärmestrom kleiner und ist für uns kaum noch wahrnehmbar. Damit schwindet auch das Bedürfnis, die Heizung höher zu drehen. Das spart Energiekosten – denn wer die Temperatur in seinem Haus nur um einen Grad nach unten regeln kann, spart durchschnittlich sechs Prozent Heizenergie.

"Nährboden für Schimmelpilzsporen"

Doch nicht nur das persönliche Wohlbefinden und der Geldbeutel können unter Wärmebrücken leiden. Unter Umständen gefährden sie auch die Gesundheit der Bewohner. Da an diesen Stellen die Wände am kältesten sind, kondensiert dort die Luftfeuchtigkeit. Im Ergebnis können Wärmebrücken daher Nährböden für Schimmelpilzsporen sein. Wer selbst testen will, wie anfällig seine Wände für Schimmel sind, kann mit Hilfe eines Infrarot-Thermometers die Temperatur messen. Kritisch wird es, wenn die Wand kälter als 12,5 Grad ist. Dieser Richtwert gilt bei 20 Grad Zimmertemperatur und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent.
Typische Orte für feuchte Stellen sind zum Beispiel Ecken oder Stellen, an denen Schränke die Luftzirkulation einschränken.


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