Überbetriebliche Ausbildung ist „Integration pur“

Foto: Kreishandwerkerschaft Bergisches Land

Wie Integration gelingen kann, zeigten vom 17.05. bis 07.06.2017 insgesamt 13 Auszubildende des Maler- und Lackiererhandwerks bei ihrer überbetrieblichen Unterweisung im Berufsbildungszentrum in Burscheid. Die Teilnehmer dieses Lehrgangs setzten sich aus jeweils zwei Lehrlingen aus Guinea und der Türkei, sowie jeweils einem Auszubildenden aus Afghanistan, Deutschland, Italien, Marokko, Polen, RDC-Kongo, Somalia und Syrien zusammen. Gemeinsam erlernten die Jugendlichen aus 11 Nationen bei dem Ausbildungsleiter der Maler- und Lackiererinnung, Herrn Rolf Börnert, fachliches Basiswissen und spezielle Anforderungen für das zu lernende Handwerk des Malers und Lackierers.

„Alle fanden sich sofort gut zurecht“, so Rolf Börnert, Ausbilder im Ausbildungszentrum Burscheid. „Das Fachwissen zu vermitteln sowie die verschiedenen Arbeitsschritte mit den Auszubildenden zu erörtern, stellt für uns kein Problem dar.“ Unüberwindbare Barrieren gebe es im Handwerk so gut wie nicht. „Wir haben den Vorteil, vieles mit den Händen vermitteln zu können. Statt viel zu reden, zeigen wir einfach, wie etwas funktioniert. Hemmschwellen und Sprachbarrieren werden so abgebaut. Die Lehrlinge, die aus regionalen Handwerksbetrieben oder von Bildungsträgern kommen, sind außerordentlich lernwillig und versuchen, sich zu integrieren. Sie helfen sich gegenseitig und übersetzen unverständliches“.

„Die deutsche Sprache ist für uns sehr schwer verständlich“, so einer der Flüchtlinge. „Hier im Berufsbildungszentrum können und wollen wir unser Wissen aber schnell erweitern. Das ist sehr wichtig, denn es gibt noch viele Hürden zu überwinden. Am Ende der Ausbildung wollen wir alle unsere Prüfung bestehen, weil uns der Beruf sehr viel Spaß macht. “

„Die vielen Einzelschicksale der Auszubildenden berühren mich schon sehr“, berichtet Herr Börnert eindrucksvoll. Wenn die Jugendlichen z. B. erzählen, dass ihre Verwandten als unbeteiligte Zivilisten in Kriegsgebieten umkamen, oder wenn sie berichtet, dass zwar das Herkunftsland kein Kriegsgebiet ist, aber sie oder Verwandte wegen ihrer Überzeugung gefoltert oder ermordete wurden, dann berührt dies schon sehr. So wird auch persönlich klar, dass die Bewältigung der Flüchtlingsströme ein Akt humanitärer Verantwortung ist, zugleich aber auch ein gewichtiger politischer Gestaltungsauftrag.

„Die Integration funktioniert bei uns in der Region gut“, weiß Viola Buchbinder, die seit Februar 2017 als Willkommenslotsin der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land tätig ist. Sie vermittelt junge Menschen in betriebliche Praktika, in Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisse. Sie spricht davon, dass wie nach wie vor eine hohe Bereitschaft haben, Flüchtlinge aufzunehmen. Aus den Betrieben, in denen Flüchtlinge ausgebildet werden, kommt sehr viel positives Feedback. Es klappe nicht immer, aber in den meisten Fällen sei es erfolgreich. Die Aufnahmebereitschaft sei deshalb nach wie vor sehr groß. Mangelnde Sprachkenntnisse sind dabei immer die Barriere, die einer erfolgreichen Integration im Wege steht.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Integration eines jungen Menschen – der weder Deutsch spricht, noch eine Ausbildung mitbringt – in den ersten Arbeitsmarkt fünf bis sieben Jahre dauert. Diese Geduld müssen wir, muss die Gesellschaft aufbringen, wenn sie ernsthaft an einem Erfolg der Integration interessiert ist und hierfür muss auch die entsprechenden Finanzkraft zur Verfügung gestellt werden, um die Kosten für diese Integration zu bewältigen.

Umso schöner ist es, dass die 13 jungen Teilnehmer mit so viel Enthusiasmus und Begeisterung im Maler- und Lackiererhandwerk aufgehoben sind. Hier wird die Integration sicherlich schneller gelingen. Wir wünschen allen Teilnehmern daher eine gute Ausbildung, ein gutes Prüfungsergebnis und eine gute Zukunft, auch beruflich.


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