Foto: Aktion Modernes Handwerk
Hinter der noch recht jungen Berufsbezeichnung "Raumausstatter" stehen hoch qualifizierte Fachleute, die ein altes, traditionsreiches Handwerk ausüben. Der Berufsstand hat seinen Urprung im französischen "Tapissier". Dieser Name geht zurück auf den Wandteppich, 800 Jahre lang das wichtigste dekorative Raumelement. Vom französischen Königshof, an dem der Tapissier zunächst arbeitete, gelangten Beruf und Berufsbezeichnung an die anderen europäischen Höfe. Mitte des 18. Jahrhunderts etablierte sich in Deutschland neben dem "Hoftapezierer" der "bürgerliche Tapezierer". Bis 1965 gab es sowohl "Polsterer-Dekorateure" als auch "Tapezierer-Dekorateure".
Seitdem ist der Raumaustatter für alle Belange der Innenausstattung zuständig. Seine Arbeitsgebiete: Bodenlegen, Wandbekleiden, Dekorieren und Polstern. In den letzten Jahren kam eine weitere Tätigkeit hinzu: der Sonnenschutz in Form von Jalousien, Rollos oder Markisen. Die Beratung ist das A und O in diesem Handwerk.
Wichtig bei der Beratung sind Musterbücher mit Stoff- oder Teppichbeispielen. 20 bis 30 dieser Bücher muss ein guter Raumausstatter im Geschäft haben. Künftig könnte im Gespräch mit dem Kunden auch der Computer eine Rolle spielen. Große Stoffhersteller führen bereits heute dreidimensional auf dem Bildschirm vor, wie eine Wohnung mit der neuen Stofftapete aussehen könnte. Die "virtuelle Dekoration" hat Zukunft, denn so bekommt man natürlich einen viel realistischeren Eindruck von der neu gestalteten Wohnung.
Vorerst setzen viele Raumaustatter statt auf den Computer auf ihre langjährige Erfahrung. Sie wissen, was zu welcher Wohnung passt. Jeder Raum ist anders. Man muss ihn erst sehen, um dann zu entscheiden, was man aus ihm machen kann. Die Möglichkeiten, das Heim wohnlicher und gemütlicher zu machen, sind vielfältig. Das fängt beim Boden an. Die Raumausstatter versuchen bewusst, sich von den Billigangeboten der Baumärkte abzusetzen. "Von einem guten Teppich, den wir fachgerecht verlegen, hat der Kunde einfach mehr." Auch bei den Gardinen setzen die Raumaustatter auf Qualität.
Der Trend geht wieder hin zur Stoffgardine, weg von der Jalousie. Bei jungen Kunden sind lange Stoffbahnen gefragt, die von den Raumausstattern kunstvoll um die Gardinenstangen drapiert werden. Den Stoffbedarf und den Zuschnitt hat man früher mit einem Bleimaß Zentimeter für Zentimeter gemessen. Heute erledigen das in einigen Betrieben moderne Computer, die die Raffung des Stoffes berechnen und fertige Schnittmuster ausdrucken. Nur einen kleinen Teil der Arbeit macht die Stoffbespannung von Wänden aus.
Traditionell konkurrenzlos sind die Raumaustatter beim Polstern. Da hat das Handwerk sogar in schlechten Zeiten gut zu tun. Dann nämlich kaufen die Leute keine neuen Möbel, sondern lassen sich ihre alten beim Raumausstatter aufpolstern. Doch auch ohne Not: Alte Sitzmöbel neu bespannen zu lassen, liegt im Trend. Antik-Verschnörkeltes aus Omas Wohnung kombiniert man heute gerne mit modernen, strengen Einrichtungen. Kreativität, Farbensinn, Serviceorientierung und kunsthandwerkliches Geschick - das wird von Raumaustattern verlangt.
Denn der Raumaustatter sei bei den Kunden wieder gefragt. Der Trend gehe weg von der Wegwerfmentalität hin zu einem neuen Bewusstsein für Qualität und Handarbeit. Sogar junge Leute sehen mittlerweile ein, dass eine aufgepolsterte alte Couch viel schöner ist als Billigmöbel vom Einrichtungs-Discounter.
Foto: Aktion Modernes Handwerk
Wie sag' ich's meinem Kunden? Das ist die zentrale Frage für die Betriebe der Bekleidungshandwerke. Denn die Unternehmen in dieser Branche haben heutzutage vor allem ein Marketingproblem. Jeder weiß, wo er in seiner Nähe Discount-Läden für Schuhe und Kleidung findet. Wenn man jedoch fragt, wer Maßschuhe und Maßkleidung anbietet, erhält man in den meisten Fällen ein Kopfschütteln als Antwort - entweder weil der Kunde glaubt, es gäbe überhaupt keine Handwerker mehr, die Maßanfertigungen herstellen, oder weil er nicht weiß, wo er sie findet.
Die Verbraucher haben sich in den vergangenen Jahrzehnten an die industriell hergestellten Schuhe und Kleider gewöhnt - und damit auch an das entsprechend niedrige Preisniveau. Mit Discount-Mode und Billig-Schuhen können die Handwerker selbstverständlich nicht konkurrieren.
Doch was viele nicht vermuten: Maßschuhe werden schon ab 250 Euro angeboten, und auch Maßkleider sind oft nicht teurer als der Hosenanzug einer bekannten Marke aus einer exklusiven Boutique.
Außerdem: Für ihr Geld erhalten die Kunden im Gegenzug Schuhe, die optimal sitzen, und Kleider, die nicht geändert werden müssen.
Auch was die Farben, Stoffe und Verarbeitung angeht, sind sie nicht den Trends der Industrie unterworfen. Sie bekommen immer genau das, was sie sich wünschen.