Goldener Meisterbrief: Sechs Malermeister feiern ihr 50-jähriges Berufsjubiläum

Von Katja Philipps

Am 11. Oktober 2014 ehrte die Maler- und Lackiererinnung Bergisches Land in der historischen Holsteins Mühle in Nümbrecht ihre traditionsreichsten Handwerksbetriebe.
Im Rahmen des alljährlichen Altmeistertreffens vergab Kreishandwerksmeister und Obermeister Willi Reitz zusammen mit dem ehemaligen Kreishandwerksmeister Oberberg, Gerhard Reimann, den Goldenen Meisterbrief für das 50-jährige Berufsjubiläum an sechs Malerbetriebe aus dem weit verzweigten Innungsgebiet.

Die sechs "Goldmeister" (v.l.): Hermann-Josef Jansen, Bernhard Kyborg, Gerd Huppert, Herbert Noah, Manfred Brunsbach, Hans Kunde . In der Mitte: Willi Reitz, Kreishandwerksmeister.

Sechs goldene Meisterbriefe – sechs spannende Lebensgeschichten

Manfred Brunsbach (Wipperfürth), Meisterprüfung am 19.09.1964

Manfred Brunsbach erhält den Goldenen Meisterbrief im Maler- und Lackiererhandwerk
Manfred Brunsbach: „Ohne eine Frau ist jeder Handwerksbetrieb verloren.“

Der Maler- und Lackierermeister aus Wipperfürth (Jahrgang 1939) begann seinen beruflichen Werdegang mit einer Lehre zum Autoschlosser, entdeckte aber schnell seine eigentliche Vorliebe für das Malerhandwerk: „Als Handwerker sieht du, was du gemacht hast. Du hast das Ergebnis direkt vor Augen.“ Nach bestandener Gesellenprüfung besuchte er die Meisterschule in Lemgo und bereitete sich in langen Lernnächten auf die Prüfung vor. „Ich hatte wirklich Angst, die Prüfung nicht zu bestehen. Der Besuch der Meisterschule bedeutete ein halbes Jahr Verdienstausfall. Ich habe mein Auto verkauft, ich wollte heiraten und dachte nur: ‚Hoffentlich bestehst du‘.“ Die Sorgen waren unbegründet: Manfred Brunsbach bestand seine Meisterprüfung mit der Note 2. Die Existenzangst begleitete ihn aber auch in den ersten Berufsjahren: „Ich hatte immer Sorge, meine Familie nicht ernähren zu können.“ Kurzerhand baute er die Garage des Familienhauses zu einem kleinen Laden für Tapeten und Farben aus. Seine Devise: „Immer etwas anderes machen, als die anderen.“ Sein Geschäftssinn zahlte sich aus: Der „Garagenladen“ wuchs in den nächsten Jahren auf über 100qm², Manfred Brunsbach verkaufte als einer der ersten Betriebe in Wipperfürth neben Malerzubehör auch Teppichböden und wurde Mitinhaber des Wipperfürther Werks der Interpane Glas Industrie AG. Sein Ruf als „Allrounder“ begleitete ihn durch die Berufsjahre und sorgte unter anderem für zahlreiche Aufträge in den Erzbistümern Köln, Aachen, Münster und Trier. Nach 50 Jahren als Maler- und Lackierermeister erinnert sich Manfred Brunsbach aber vor allem an den Rat und die Unterstützung seiner inzwischen verstorbenen Frau: „Ohne eine Frau ist jeder Handwerksbetrieb verloren.“


Hermann-Josef Jansen (Lindlar), Meisterprüfung am 27.04.1964

Hermann-Josef Jansen erhält den Goldenen Meisterbrief im Maler- und Lackiererhandwerk
Hermann-Josef Jansen: „Maler sterben nicht, die faulen.“

Auf die Frage, warum er sich in jungen Jahren für das Maler- und Lackiererhandwerk entschieden habe, antwortet Hermann-Josef Jansen (Jahrgang 1940) sehr nüchtern: „Damals gab es ja gar nicht so viel Auswahl. Man wurde von den Eltern losgeschickt, die sagten: ‚Jung, lern mal was Richtiges‘.“ Das tat der „bergische Jung“ und gründete nach bestandener Gesellen- und Meisterprüfung sowie beruflichen Stationen im westfälischen Münster und der Schweiz im Jahr 1965 seinen eigenen Malerbetrieb. Am Anfang wurde der Tapeziertisch noch auf dem Fahrrad transportiert, nach kurzer Zeit reichte das Geld aber für motorisierte Untersätze. Den Unterschied zwischen dem Malerhandwerk früher und heute beschreibt Hermann-Josef Jansen so: „Zu meiner Zeit gab es eigentlich immer mehr Arbeit, als man bewältigen konnte. Existenzängste kannten wir damals gar nicht. Heute ist der Kampf sehr viel härter geworden.“ Nicht nur die wirtschaftliche Situation, auch das Image des Malerberufs hat sich über die Jahre hinweg gewandelt: „Früher galten Maler oft als faul und arbeitsscheu. Die Leute sprachen vom ‚fuul Aanstricher‘ und es gab das Sprichwort ‚Maler sterben nicht, die faulen‘“. Nach 39 Jahren im eigenen Betrieb mit mehr als einem Dutzend Auszubildenden kann Hermann-Josef Jansen getrost von sich behaupten, die Ausnahme von der landläufigen Regel gewesen zu sein.


Gerd Huppert (Gummersbach), Meisterprüfung am 19.09.1964

Gerd Huppert erhält den Goldenen Meisterbrief im Maler- und Lackiererhandwerk
Gerd Huppert : „Wo steht geschrieben, dass man selbstständig sein muss?“

Gerd Huppert (Jahrgang 1943) ist ebenfalls die Ausnahme von einer Regel, allerdings in einem ganz anderen Sinne. Als einziger der sechs mit dem Goldenen Meisterbrief geehrten Maler- und Lackierermeister war er nicht selbstständig, sondern kann auf 55 Berufsjahre im Betrieb seines Vaters zurückblicken: „Ich war quasi pseudo-selbstständig, die letzten 20 Jahre habe ich den Betrieb alleine geleitet.“ Ein Grund: Gemeinsam mit seiner Frau kümmert sich Gerd Huppert um den behinderten Sohn, „eine Lebensaufgabe“, wie er selbst sagt. Dennoch wollte er nicht auf seinen verdienten Goldenen Meisterbrief verzichten und schrieb persönlich an NRWs Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: „Ich habe mir sämtliche Vorschriften und Regeln durchgelesen – nirgendwo steht geschrieben, dass man selbstständig sein muss, um den Goldenen Meisterbrief zu erhalten.“ Ein mutiger Schritt, der in den kommenden Jahren hoffentlich noch weiteren angestellten Maler- und Lackierermeistern zugutekommen wird. Auf die Frage, was die größte Herausforderung in seinem Berufsleben gewesen sei, antwortet Gerd Huppert: „Ich habe mich immer bemüht, unter dem Strich eine schwarze Zahl herauszubekommen. Zum Glück ist mir das gelungen, sodass ich heute meinen Ruhestand genießen kann.“


Hans Kunde (Leverkusen), Meisterprüfung am 14.07.1962

Hans Kunde erhält den Goldenen Meisterbrief im Maler- und Lackiererhandwerk
Hans Kunde: „Eine glückliche Malerfamilie“

Der berufliche Werdegang des in Pommern geborenen Hans Kunde (Jahrgang 1936) war im Grunde vorgezeichnet: Er entstammt einer ganzen „Malerdynastie“, sowohl Großvater, Vater, als auch sein älterer Bruder haben das Maler- und Lackiererhandwerk erlernt. 1950 zog die Familie von Stralsund nach Leverkusen, im Alter von 14 Jahren ging er im Betrieb seines Vaters in die Lehre. 1963 gründete Hans Kunde nach erfolgreich abgeschlossener Meisterprüfung seinen eigenen Betrieb und übernahm in den späteren Jahren auch die Kundschaft seines Vaters. „Mein Vater und ich waren häufig unterschiedlicher Meinung – ich musste mich erst beweisen, bevor er mir den Beruf wirklich zutraute. Später schenkte er mir und meiner Familie dann allerdings auch einen Kühlschrank und ein Baugrundstück.“ Den bis 1988 bestehenden Malerbetrieb führte Hans Kundes Frau Anna, eine gelernte Bürokauffrau. Auch Sohn Ernest trat in die Fußstapfen des Vaters und gründete 1990 in Leverkusen einen Malerbetrieb mit eigener Autolackiererei. Neben seiner Arbeit als Maler- und Lackierermeister saß Hans Kunde lange Jahre als Arbeitnehmervertreter im Gesellenprüfungsausschuss der Maler- und Lackiererinnung Bergisches Land und sagt über die Unterschiede zwischen dem Malerhandwerk früher und heute: „Der Arbeiterschutz hat sich wesentlich verbessert. Außerdem habe ich das Gefühl, dass die Auszubildenden, die sich heute für das Handwerk entscheiden, sehr viel mehr Ehrgeiz haben und gewissenhafter arbeiten als noch zu meiner Zeit.“ Auf die Frage, ob er seinem Sohn heute noch Tipps für die Arbeit mitgeben kann, sagt Hans Kunde: „Was das Malerhandwerk betrifft, braucht er keine Hilfe. Aber wenn ein Porsche mit Kunstharzlack lackiert werden soll, dann kommt er zu mir.“


Bernhard Kyborg (Gummersbach), Meisterprüfung am 19.09.1964

Bernhard Kyborg erhält den Goldenen Meisterbrief im Maler- und Lackiererhandwerk
Bernhard Kyborg: „Der Lüftemaler von Oberberg“

Die Karriere des Maler- und Lackierermeisters Bernhard Kyborg (Jahrgang 1938) hat viele interessante Facetten. Eine ist zum Beispiel die Frage, was einen in Berlin-Spandau geborenen „Hallodri“ ins beschauliche Oberbergische Land verschlägt. Die Antwort ist so einfach wie romantisch: Die Liebe zu seiner Frau. 1959 lernt Bernhard Kyborg in Bad Oeynhausen seine Frau kennen, die, ebenfalls in Berlin geboren, im Alter von vier Jahren mit ihrer Familie ins Oberbergische zieht. Drei Tage reichen aus, um für beide zu erkennen, dass sie der Liebe ihres Lebens begegnet sind. 1959 ziehen beide zunächst zurück nach Berlin, ein Jahr später erhalten die erstaunten Eltern der Braut die Nachricht: „Seid nicht böse, wir haben uns verlobt.“ 1961 erfolgt dann der Umzug ins Oberbergische, nach Allenbach in der Nähe von Gummersbach. Auf die Frage, ob er nicht manchmal das Großstadtleben vermisse, sagt Bernhard Kyborg: „Ich habe hier meine absolute Heimat gefunden.“ Am 1. März 1965 macht er sich nach bestandener Meisterprüfung selbstständig, der Betrieb besteht bis 2012. Neben seiner erfolgreichen Karriere als Maler- und Lackierermeister ist Bernhard Kyborg aber auch ein begnadeter Zeichner, eine Begabung, die er bereits im zarten Alter von sieben Jahre entdeckte. Erst kürzlich stellte die Volksbank Oberberg in Dieringhausen 50 seiner Freihand-Federzeichnungen aus. Seinen Ruf als „Lüftemaler von Oberberg“ verdiente sich Bernhard Kyborg vor allem mit Gemälden und akkurat gezeichneten Schriftzügen an Kirchen, Hotels und Schulen.


Herbert Noah (Gummersbach), Meisterprüfung am 25.03.1964

Herbert Noah erhält den Goldenen Meisterbrief im Maler- und Lackiererhandwerk
Herbert Noah: „Die Geschichte des Fünfmarkstücks“

Herbert Noah (Jahrgang 1933) wird vom Start ins selbstständige Berufsleben kalt erwischt. Unmittelbar nach erfolgreich abgeschlossener Prüfung wird der frisch gebackene Meister im Jahr 1964 von seinem damaligen Chef Wilhelm Müller einem Kunden empfohlen – ohne eigenen Laden, eigene Transportmittel, eigenes Material. „Mein Chef sagte damals einfach: ‚Kein Problem, leihe ich dir alles‘.“ Von da an ging die Karriere steil bergauf, noch im gleichen Jahr folgte die Gründung des eigenen Betriebs, der bis 1998 besteht. Besonders stolz ist der aus der ehemaligen DDR stammende Maler- und Lackierermeister auf seine Technik der Reproduktion von Holzmaserung: „Das kannte man damals hier im Westen gar nicht. Ich habe zwei Türen auf diese Art verschönert und die Leute dachten tatsächlich, es wäre Echtholz.“ Auf die Frage nach einer Anekdote aus seinem langen Berufsleben erzählt Herbert Noah die Geschichte des Fünfmarkstücks: „Als Lehrling habe ich Fußböden lackiert und der Kunde wollte wohl testen, ob ich auch ehrlich bin. Hinter einer Fußleiste steckte nämlich ein Fünfmarkstück – bei einem damaligen Stundenlohn von 98 Pfennig keine geringe Versuchung. Ich habe ihr aber widerstanden und das Geldstück einfach überlackiert.“ Die Erinnerung an den „ehrlichen Handwerker“ sollte für den Kunden also noch lange Jahre erhalten bleiben.


Wir gratulieren allen sechs goldenen Malermeistern herzlich zu dieser Auszeichnung!


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